Dramapädagogik Tage 2018: Rückblick

Was ist los an der HTWG Konstanz, wenn es über den Flur des F-Gebäudes hallt, dass „Ottos Mops hopst“? Oder durch das Fenster des M-Gebäudes zu beobachten ist, wie zwanzig Personen mittleren Alters mit großem Engagement auf Englisch oder Spanisch offenbar einem Kreisspiel nachgehen? Dann sind vermutlich gerade Dramapädagogik-Tage – eine Tagung zum Thema Theater im Fremdsprachenunterricht. Die Tagung fand 2018 am 20. und 21. Juli statt und wurde, wie bereits in Vorjahren, von Dr. Stefanie Giebert in Kooperation mit Eva Göksel vom Zentrum Mündlichkeit der PH Zug in der Schweiz organisiert.

Ungefähr 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus 12 Ländern von drei Kontinenten angereist, hauptsächlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, den weitesten Weg hatten vermutlich drei Teilnehmerinnen aus Kanada, den USA und Kuwait. Die Mehrheit waren Sprachlehrende von Hochschulen und Universitäten, außerdem in der Lehrerbildung tätige Personen sowie einige Lehrer und Lehrerinnen aus dem Sekundarschulbereich oder der Erwachsenenbildung. Alle nutzten die zwei intensiven Tage, um sich fortzubilden, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. „Es freut mich ungemein, dass ich so viele neue Kolleginnen und Kollegen kennenlernen durfte. Bei manchen war es, als ob wir einander schon ewig gekannt hätten; das war Teil der guten, nein hervorragenden Atmosphäre, die von Anfang an geherrscht hat,“ so Dagmar Höfferer vom theaterpädagogischen Verband IDEA Austria.

Eingeleitet wurde jeder Tag von einem Plenarvortrag. Im Plenarvortrag am Freitag gab Prof. Dr. Dagmar Abendroth-Timmer von der Universität Siegen einen Einblick in ein Forschungsprojekt, das sie derzeit mit angehenden Fremdsprachenlehrern und -lehrerinnen durchführt. Es geht um Konfliktsituationen im Unterricht und wie die jungen Lehrkräfte diese mit verschiedenen Reflektionsmethoden – Gruppendiskussion oder Nachspielen im Rollenspiel – analysieren.

Am Samstag berichtete Lynn Williams von der FH Nordwestschweiz in Basel von ihren Unterrichtsprojekten mit zukünftigen Englischlehrern und -lehrerinnen, beispielsweise wie sie die Annäherung an Klassiker der englischen Literatur durch szenische Aufgabenstellungen abwechslungsreicher gestaltet.

Danach folgten an beiden Tagen Vorträge zu Forschung und Praxis im Wechsel mit Workshops, in denen die Teilnehmenden verschiedene Methoden und Übungsformen live ausprobieren konnten. Um der Internationalität der Teilnehmenden gerecht zu werden, wurden immer eine deutsch- und eine englischsprachige Veranstaltung parallel angeboten.

Den Anfang machte eine Ausspracheschulung mit Hilfe von Gedichten – unter anderem mit „Ottos Mops“. Später folgten Workshops und Vorträge beispielsweise zu Drama Grammatik – wo grammatikalische Strukturen durch kurze Spielszenen verkörpert und veranschaulicht werden.  Auch auf dem Programm standen Ideen, wie verschiedene Textarten (nicht zuletzt ein Zeitungsartikel über ein im Flugzeug reisendes Schwein) mit szenischen Methoden erschlossen werden können.

Auch Langformen wie das vor allem im englischen Sprachraum verbreitete „Process Drama“, bei dem ein größeres Thema durch Improvisationen erspielt und erkundet wird, waren vertreten. So erforschten gleich zwei Workshopgruppen den Umgang von Gemeinschaften mit dem Fremden, einmal mit neu Zugewanderten, einmal mit einem als „abnormal“ wahrgenommenen Dorfbewohner.

Die Teilnehmenden zeigten sich sehr zufrieden mit Bandbreite und Gehalt der angebotenen Formate und eine Fortsetzung der Tagungsreihe im nächsten Jahr ist geplant. Luke Allder von der University of Kent in Großbritannien resümiert: „Everyone has been talking of the excellence in workshops, papers and attendees. It was a wonderful forum of discussion and has stimulated some exciting future work.“

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